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Die Therapie
23.05.2024 , Außenbühne
Sprache: Deutsch

Jazz muss Ekstase auslösen, wenn es nach Arno Grußendorf und Jakob Seeber von Die Therapie geht.
Zu oft gilt er als untanzbar, akademisch und elitär. Reconnected ist die Konsequenz einer lang
geplanten Album-Veröffentlichung. Sie soll nicht nur Gebiete der Musik, die sich in der Vergangenheit
von einander entfernt haben, neu verbinden, sondern das Erwachsen von neuer Verbundenheit als
Gesellschaftlichen Prozess der modernen Welt thematisieren. Eine Klangbotschaft geformt aus
stampfenden Beats und nach Untergrund-House riechenden Synthieklängen, die ausgehungerte
Musik-Conaisseure in die Bewegungslust treiben sollen. Die Therapie will das Genre mit einem
1000-Volt-Stoß aus der Dunkelheit ins Licht der Tanzflächen peitschen.
Dafür saugen Arno und Jakob 20 Jahre lang die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse wie
Schwämme auf. Beide besitzen eine traditionelle Musikausbildung: Arno studiert in Amsterdam und
Berlin, Jakob in Würzburg und Prag. Dort feilen sie unermüdlich an ihren Fähigkeiten, festigen aber
vor allem ihre Prinzipien: Die verschulte Orthodoxie ist ihnen völlig zuwider. Jakobs Begeisterung für
Musik beginnt im Teenager-Alter mit dem True School-Hip Hop der 90er, als Der Nussigmilde baut er
sich über ein Jahrzehnt eine eigenständige Karriere als Rapper und Produzent auf. Dank Genre-Gurus
wie Photek brennt er auch für Drum’n’Bass und House mittlerweile lichterloh. Arno, der einer zutiefst
musikalischen Familie entstammt, landet über klassisches Klavier und Geige bei der Gitarre. Sofort
ergriffen von ihrem Klang, jagt er jahrelang wie ein Besessener ihrer Meisterschaft hinterher. Er lernt
bei Größen wie Kurt Rosenwinkel und stellt eine erfolgreiche Solo-Karriere auf die Beine. Doch von
selbstgerechter Virtuosität will er am Ende nichts mehr wissen: Sein Instrument ist die Verlängerung
seiner Emotionen, ein Geständnis mit sechs Saiten.

Was mit Bach und De la Soul begann, ist jetzt ein Amalgam aus Einflüssen: Eine Neugier und
Grenzenlosigkeit, die sich der Londoner Szene um Tom Misch oder Yussef Dayes verbunden fühlt. Als
Die Therapie mischen Arno und Jakob Straßendreck mit schwelgerischem Hedonismus. Peitschende
Breakbeats treffen auf wabernde Synthie-Rhythmen, gleisende Gitarrenfiguren schwingen sich durch
Songs wie „Level“ oder reißen verzerrte Löcher in die Melodien von „False Flakes“. Rasend schnelle
Soli verbinden sich mit den bedrohlichen Klängen düsterer Elektro-Clubs und lässigen Hip Hop-Beats.
Der gewaltige, pompöse Sound dient einem einzigen Zweck: Das Publikum zu elektrisieren.
Bei Auftritten brechen sie daher bewusst mit Konventionen: Genre-Puristen werden beim Anblick von
Sample-Pads und mächtige Pedal-Effect-Racks schockiert sein, wie viel elektronisches Live-Equipment
sich auf der Bühne tummelt. Gitarren und Schlagzeug sind durch Pads und Laptop ergänzt. Sprach-
und Vinylsamples mischen die Songs auf. Samplepad entweiht die Jazzbühne.

Das Ganze ergänzen die beiden durch Innovation beim Produzieren: „Wir arbeiten wie in der
modernen Pop-Produktion als Sänger-und Produzenten-Duo“, erklärt es Arno. „Zum Beispiel kommt
Jakob mit einem Beat vorbei und ich schmücke ihn melodisch aus.“ Viele Songs entstehen aus einer
rhythmischen Idee und bewahren sich so eine rohe Tanzbarkeit.

Songs wie “Talk To Each Other” und “Let Things Go Wrong” sprechen von einer neuen geistigen und
musikalischen Offenheit. Fehler passieren, Kommunikation ist alles. Dieses Credo spiegelt sich im
leidenschaftlichen Gespräch bluesiger Gitarrenfiguren, stampfender Beats und gallopierender Bässe
wieder. Veredelt wird die Botschaft durch die Kollaboration mit dem aufstrebenden jungen Prager
Jazzpianisten Daniel Buratkin und dem Londoner Newcomer-Rapper Verbz.

2018 wurde der Band das prestigeträchtige Stipendium des Vereins Yehudi Menuhin Live Music Now
Berlin e.V. verliehen. Kurz darauf erreichte sie das Finale des Biberacher Jazzpreises und gewann beim
Sparda Jazz Award 2019 den 2. Platz. Außerdem nahm sie am Future Sounds Jazzpreis 2019 so wie
am Bayrischen Jazzpreis 2021 und am Nachwuchs Jazzpreis Burghausen 2022 teil.Bei Live-Auftritten
hat Die Therapie bisher ua. mit Sebastian Studnitzky (Jazzanova), Olivia Trummer (Kurt Rosenwinkel
Caipi Band), Marc Muellbauer (Julia Hülsmann Trio) und Malte Schiller kollaboriert. Im April 2019
erschien bei X-Jazz Music ihr Debütalbum „Freiraum“, mit dem die Band u. a. bereits beim
X-Jazz-Festival Berlin, der Jazzrally Düsseldorf und den Leverkusener Jazztagen auftrat. Ihr
Folge-Album Soundtrack For Forward Motion ist im Oktober 2021 bei Jazzlab Hamburg erscheinen,
2022 die EP Rebirth. Reconnected folgt 2023 ebendort. „Man kann also gespannt bleiben, was auf das
hedonistische House-Jazz-Exposé noch folgt. Auf jeden Fall werden die beiden weiter aus Bauch und
Becken heraus musizieren“ - Tip Berlin. “Ob diese Klänge angetan sind, Jazzhasser zu therapieren sei
dahingestellt. Spaß machen sie allemal - und allzu uncool sind sie auch nicht gerade” - Jazzthetic.

Besetzung:
Arno Grußendorf – Gitarre
Danies Bulatkin – Keys
Chiel van Rijn - E-Bass
Jakob “Der Nussigmilde” Seeber - Schlagzeug